Abstoßende Missionsstrategie der Endzeitsekte
Aachen: Zeugen Jehovas versuchen Trauernde zu werben
Im Raum Aachen erhalten in letzter Zeit vermehrt Angehörige von Verstorbenen von ihnen unbekannten Menschen persönlich gehaltene und handschriftlich verfasste Briefe, die wie Kondolenzbriefe erscheinen wollen.
Solche Briefe werden seit Jahren immer wieder von Zeugen Jehovas versandt. Offenbar werden Todesanzeigen in den örtlichen Tageszeitungen ausgewertet und dort abgedruckte Adressen verwendet. Das Referat Sekten- und Weltanschauungsfragen der Evangelischen Kirche im Rheinland hat in seinem Archiv eine ganze Reihe solcher Schreiben an trauernde Angehörige gesammelt, die sich in Wortwahl, Ausdruck und Thematik meist bis ins Detail ähneln und die stets handschriftlich und persönlich von einem Mitglied der Zeugen Jehovas verfasst sind.
Offenkundig wird die Ausnahmesituation, die die Phase kurz nach dem Tod eines nahen Angehörigen darstellt, gezielt von den Zeugen Jehovas ausgenutzt. Dabei dürfte es wohl weniger um Trost und aufrichtige Zuwendung zu einer trauernden Person gehen, die dem Verfasser eines solchen Briefes ja meist gar nicht bekannt ist, als vielmehr um eine Missionsstrategie, mit der man sich die Nähe und das Vertrauen von Menschen in einer Krisensituation verschaffen kann, um die Ideologie der Zeugen Jehovas zu verbreiten oder / und um neue Mitglieder zu gewinnen.
Das Schreiben und Versenden solcher Briefe ist letztlich nicht verboten, man wird juristisch kaum etwas dagegen unternehmen können. Gleichwohl halten wir diese Vorgehensweise für ethisch verwerflich: Trauernde in ihrer Not für die eigenen Gruppeninteressen zu funktionalisieren ist zynisch und unchristlich. Empfängern solcher Briefe, die sich in ihrer Trauer beeinträchtigt fühlen, raten wir, sich an ihren Gemeindepfarrer oder ihre Gemeindepfarrerin zu wenden oder das Referat Sekten- und Weltanschauungsfragen (0211 3610 252) um Unterstützung zu bitten.
Die Zeugen Jehovas, die seit Jahren versuchen, in der Öffentlichkeit als seriöse Organisation wahrgenommen und als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt zu werden, müssen sich fragen lassen, wie sie es mit dem Respekt vor Mitgliedern anderer Religionsgemeinschaften und Kirchen halten.
Außerdem ist zu fragen: Was mutet man eigentlich – ethisch und psychisch – den eigenen Mitgliedern zu, die solche Briefe nach vorhandenen Vorlagen verfassen? Ist das ihr Beitrag zur sozialen Entwicklung unserer Gesellschaft? Es scheint schlecht um die (innere) Verfassung der Zeugen Jehovas zu stehen, wenn sie auf solche „Werbemaßnahmen“ angewiesen sind.
Andrew Schäfer / 28.06.2011