Kleine magische Alltagskunde – Wünschelrute

Kleine magische Alltagskunde

 

Wünschelrute

„Die Wünschelrute ist ein zumeist Y-förmig gegabeltes, aus einer Astgabel oder gebogenem Draht gefertigtes Instrument, das in der Hand eines sogenannten Rutengängers auf Anziehungskräfte oder Ausstrahlungen von Erzen und Metallen, Wasseradern, geologischen Verwerfungen oder verborgenen Gegenständen im Erdreich reagieren soll.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Wünschelrute; 12.01.2011)
Heutzutage werden auch L-förmige Ruten oder antennenförmige Einhandruten, so genannte Tensoren, benutzt.

Nach wie vor gilt die Wünschelrute bei ihren Nutzern als taugliches Instrument, um z.B. so genannte Wasseradern ausfindig zu machen. Naturwissenschaftlich wird ganz überwiegend davon ausgegangen, dass die von Wünschelrutengehern behaupteten physikalischen Wirkungszusammenhänge nicht bestehen. Die Reaktionen / Bewegungen der Wünschelruten und ähnlicher Instrumente werden dagegen als Folge ideomotorischer Prozesse gedeutet, bei denen allein die Bewegungsvorstellung des Ausführenden unbewusste Muskelimpulse auslösen kann, die die Wünschelrute in Bewegung setzen.

„Nach einer Anfrage des Bundestagsabgeordneten Krey bewilligte die Bundesregierung die Mittel zur Untersuchung möglicher Zusammenhänge zwischen den sogenannten Erdstrahlen und Krebserkrankungen. Mit der Durchführung dieser Untersuchungen, die unter dem Namen „Scheunen-Experimente“ bekannt geworden sind, wurden die Professoren König und Betz 1986 in München beauftragt. Der eigentliche Forschungsauftrag konnte dabei nicht erfüllt werden. Die Ergebnisse zeigten jedoch, dass „die Treffsicherheit durchschnittlicher Rutengänger in den durchgeführten Testreihen schlecht“ und „in den meisten Fällen kaum oder nicht vom Zufall zu unterscheiden war“.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Wünschelrute; 12.01.2011)

1990 hatte die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) einen Preis von 20.000,00DM ausgesetzt, um die Wirkung von Wünschelruten wissenschaftlich nachprüfbar zu beweisen. Dazu wurde eine Trefferquote von 80% als Erweis der Wirkung von Wünschelruten gefordert. Von den 20 teilnehmenden Wünschelrutengehern erreichte unter kontrollierten Bedingungen kein einziger dieses Ziel.

Das Bedürfnis vieler Menschen, z.B. manche gesundheitlichen Beschwerden (z.B. Migräne, Schlafstörungen, etc.) mit Hilfe von Methoden wie dem Wünschelrutengehen und den sich damit verbindenden Deutungsmustern (Erdstrahlen; Wasseradern; u.s.w.) zu erklären, ist nachvollziehbar. Dies gilt namentlich dort, wo die medizinische Kunst trotz allen Aufwands und enormer Erfolge an ihre Grenzen stößt.

Liegt die Attraktivität solcher Verfahren wie dem Wünscheltrutengehen etwa in einem scheinbar nachvollziehbaren und plausiblen Deutungsangebot, das hochkomplexe, vom Laien i.d.R. nicht mehr ohne weiteres zu erschließende Zusammenhänge der natürlichen Umwelt, bzw. von Krankheit und Leid erklären soll?
Angesichts fehlender ausreichender und seriöser Wirksamkeitsnachweise scheint dieses Verfahren allerdings genau dafür denkbar ungeeignet.

 

 

 

Andrew Schäfer / 16.05.2011