Pressemitteilung

Nach umstrittenen Taufen sperren die Mormonen ihre Ahnen-Datenbanken

  • 13.03.2012

Die „Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage“,
allgemein als Mormonen bekannt, war in letzter Zeit zunehmend in die Kritik
geraten, weil es zu umstrittenen Stellvertretertaufen von in KZs ermordeten
Juden gekommen war.

Die Leitung der Mormonen hat daraufhin ihre Datenbanken für die Ahnenforschung
gesperrt, so dass es jetzt für die Mitglieder der Gemeinschaft keinen Zugriff
mehr auf die Namen hunderttausender jüdischer Holocaust-Ermordeter, bzw.
überhaupt für Personen gibt, die nach den Maßgaben der Mormonen keiner
Stellvertretertaufe unterzogen werden dürfen.

Die „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“ wurde
kritisiert, nachdem mutmaßliche Stellvertretertaufen der im KZ ermordeten Anne
Frank und Angehörigen des jüdischen Nazi-Jägers Simon Wiesenthal (1908-2005)
bekannt geworden waren. Die Kirchenleitung distanzierte sich von den Vorgängen
und kündigte Sanktionen gegen die Verantwortlichen an. Den Gläubigen wurde in
einem Rundschreiben das Verbot der Taufe von jüdischen Holocaust-Opfern und
anderen nicht zugelassenen Personen eingeschärft.

Kritisiert wird jetzt auch die Sperre der genealogischen Datenbanken, weil die
Mormonen damit keinen öffentlichen Zugang zu den Informationen mehr erlaubten
und so den Eindruck erzeugten, dass sie etwas zu verbergen hätten, sagte der
jüdische Ahnenforscher Gary Mokotoff, der seit den 90er-Jahren an den
Verhandlungen mit den Mormonen beteiligt war, die zu der offiziellen Aufgabe der
Stellvertretertaufe von Juden führte.

Nach mormonischer Überzeugung ermöglicht die von einem Stellvertreter
empfangene Taufe Verstorbenen den Zugang zu ewigem Heil. Angehörige anderer
Religionen und Glaubensrichtungen verstehen dies als unzulässigen Übergriff und
Beeinträchtigung ihrer religiösen Selbstbestimmung.

Andrew Schäfer / KANN 09.03.2012