Salafismus

Kommunalpolitiker verhindern ein von Kuweit finanziertes Salafisten-Zentrum

Das Emirat Kuwait wollte in Oeffingen, Schwaben, ein Salafisten-Zentrum finanzieren – und unterschätzte offenbar die schwäbischen Kommunalpolitiker. 

Für 1,07 Millionen Euro kaufte die EMC-Immobilien GmbH im Gewerbegebiet von Fellbach-Oeffingen ein Gelände mit Hallen, Wohn- und Bürogebäude. Niemand im Ort wusste, wer sich hinter der unverdächtigen Firma verbirgt. Die Kaufsumme wurde pünktlich und direkt überwiesen. EMC-Vertreter verhielten sich unauffällig und wirkten seriös.

Doch dann meldeten sich nach SPIEGEL-Informationen Beamte des Stuttgarter Landeskriminalamts (LKA) und des örtlichen Polizeipräsidiums beim Oberbürgermeister. Mitten im Gewerbegebiet war eines der größten Dawa-Zentren in Deutschland geplant. Dawa steht für Missionierung. Von hier aus sollten Salafisten ihre Ideologie bundesweit verbreiten. Die drei Gesellschafter von EMC stammten aus Kuwait. Der Geschäftsführer ist ein bekannter Salafist: Safwat T., ein Imam aus Sindelfingen. Das LKA in Stuttgart ermittelte gegen ihn wegen des Verdachts, eine schwere staatsgefährdende Straftat vorbereitet zu haben. Auch Gelder für den Deal stammten nach den Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden offenkundig aus Kuwait. Das dortige Ministerium für religiöse Stiftungen und islamische Angelegenheiten soll die Firma zumindest teilweise finanziert haben. Die kuwaitische Botschaft antwortete nicht auf Fragen des SPIEGEL.

Ein Salafisten-Zentrum im schwäbischen Gewerbegebiet? Das Thema wurde im Gemeinderat von Fellbach-Oeffingen diskutiert. Der Bauausschuss tagte geheim. Dann beschlossen die Kommunalpolitiker eine Änderung im Bebauungsplan. Religiöse Versammlungen sind in einem Teil des Gewerbegebiets nun nicht mehr erlaubt. Das Missionierungszentrum ist damit offenbar verhindert: Die EMC-Immobilien GmbH bot das Gelände zum Verkauf an.

 

 

 

Quelle: Der Spiegel vom 20.8.16 / Andrew Schäfer / 22.08.2016