Stellvertretertaufen bei den Mormonen

Nach umstrittenen Taufen sperren die Mormonen ihre Ahnen-Datenbanken

Die „Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage“, allgemein als Mormonen bekannt, war in letzter Zeit zunehmend in die Kritik geraten, weil es zu umstrittenen Stellvertretertaufen von in KZs ermordeten Juden gekommen war.

Die Leitung der Mormonen hat daraufhin ihre Datenbanken für die Ahnenforschung gesperrt, so dass es jetzt für die Mitglieder der Gemeinschaft keinen Zugriff mehr auf die Namen hunderttausender jüdischer Holocaust-Ermordeter, bzw. überhaupt für Personen gibt, die nach den Maßgaben der Mormonen keiner Stellvertretertaufe unterzogen werden dürfen.

Die „Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“ wurde kritisiert, nachdem mutmaßliche Stellvertretertaufen der im KZ ermordeten Anne Frank und Angehörigen des jüdischen Nazi-Jägers Simon Wiesenthal (1908-2005) bekannt geworden waren. Die Kirchenleitung distanzierte sich von den Vorgängen und kündigte Sanktionen gegen die Verantwortlichen an. Den Gläubigen wurde in einem Rundschreiben das Verbot der Taufe von jüdischen Holocaust-Opfern und anderen nicht zugelassenen Personen eingeschärft.

Kritisiert wird jetzt auch die Sperre der genealogischen Datenbanken, weil die Mormonen damit keinen öffentlichen Zugang zu den Informationen mehr erlaubten und so den Eindruck erzeugten, dass sie etwas zu verbergen hätten, sagte der jüdische Ahnenforscher Gary Mokotoff, der seit den 90er-Jahren an den Verhandlungen mit den Mormonen beteiligt war, die zu der offiziellen Aufgabe der Stellvertretertaufe von Juden führte.

Nach mormonischer Überzeugung ermöglicht die von einem Stellvertreter empfangene Taufe Verstorbenen den Zugang zu ewigem Heil. Angehörige anderer Religionen und Glaubensrichtungen verstehen dies als unzulässigen Übergriff und Beeinträchtigung ihrer religiösen Selbstbestimmung.

Andrew Schäfer / KANN 09.03.2012